Gynäkologische Versorgung in Gersfeld - Rhöner Frauen sind gefragt!

Die Diskussion um die Einrichtung eines gynäkologischen Arztsitzes in Neuhof betrifft auch die Stadt Gersfeld und den Ostkreis Fulda. Es wurde beantragt den in der Stadt Gersfeld angesiedelten halben Frauenarztsitz aus Gersfeld abzuziehen und nach Neuhof zu verlagern. In einem offenen Brief an die Kassenärztliche Vereinigung Hessen habe ich diesen Überlegungen eine deutliche Absage erteilt. Die Fuldaer Zeitung hat heute über diesen Umstand berichtet.

Allerdings ist der gynäkologische Sitz - nach Angaben seines Inhabers - wirtschaftlich nicht tragfähig und droht verloren zu gehen, wenn dieses Angebot nicht von mehr Patientinnen als bislang wahrgenommen wird! Hier sind die potentiellen Patientinnen gefragt das Angebot auch wahrzunehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier min offener Brief im Wortlaut und zum Download:

 

"Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Dastych,
 
mit Interesse und Besorgnis verfolge ich die Debatte um und die Initiativen der, bzw. in den, Kommunen Neuhof, Flieden, Hosenfeld und Kalbach und einiger lokaler Abgeordneter mit dem Ziel der Einrichtung eines gynäkologischen Arztsitzes in der Gemeinde Neuhof, im dortigen Gesundheitszentrum in der Bahnhofstraße 7.
 
Meine Besorgnis rührt daher, dass ich befürchten muss, dass im Zuge dieser Debatten auch der derzeit in der Stadt Gersfeld (Rhön) eingerichtete halbe gynäkologische Arztsitz in den Blick oder gar in den Fokus dieser Debatte geraten könnte und man fordern, oder in ihrem Hause entsprechende Überlegungen anstellen könnte, diesen halben gynäkologischen Arztsitz aus der Stadt Gersfeld (Rhön) abzuziehen und in die Gemeinde Neuhof zu verlagern. Dem Vernehmen nach sei genau dies, nämlich die Verlagerung des halben gynäkologische Arztsitzes aus Gersfeld nach Neuhof, sogar bereits beantragt. 
 
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Dastych, lassen Sie mich schon an dieser Stelle unmissverständlich klarstellen, dass ich solchen Überlegungen mit großer Vehemenz und aller Deutlichkeit widersprechen und nötigenfalls großen Widerstand gegen eine solche Entscheidung und ihre Umsetzung organisieren würde! 
 
Ich kenne weder die Details der Debatten im Süden des Landkreises Fulda und auch nicht alle ihre, der Verortung von Arztsitzen zugrundeliegenden, Gedanken, Möglichkeiten und Entscheidungskriterien. Nach §§ 73, 75 SGB V ist es jedoch auch und insbesondere ihre Aufgabe eine flächendeckende haus- und fachärztliche Versorgung der Bevölkerung im Lande Hessen sicherzustellen.  § 75 Abs. 1a S. 1 SGB V regelt, dass ihr Sicherstellungsauftrag insbesondere eine angemessene und zeitnahe Zurverfügungstellung einer fachärztlichen Versorgung umfasst.
 
Ich spreche mich – und dies möchte ich deutlich betonen – keineswegs gegen die Einrichtung eines gynäkologischen Arztsitzes in Neuhof aus, sondern würde eine solche begrüßen. Ich halte die
 
Einrichtung eines gynäkologischen Arztsitzes in Neuhof, wie generell der Einrichtung von (Fach-) Arztsitzen im ländlichen, sog. strukturschwachen, Raum für notwendig, sinnvoll und geboten. 
 
Eine solche Entscheidung dürfte aber in keinem Falle zu Lasten einer ebenso ländlich geprägten Kommune, wie in diesem Falle der Stadt Gersfeld (Rhön), getroffen werden!
 
Die Stadt Gersfeld (Rhön) mit ihren ca. 5600 Einwohnern ist Heilklimatischer Kurort, Gesundheitsstandort der GWO und ein gewichtiges Gesundheitszentrum im Osten des Landkreises Fulda. Mein großes Bestreben ist es die Stadt Gersfeld (Rhön) als Gesundheitsstandort weiter zu stärken und das medizinische Angebot hier vor Ort noch auszubauen. Dies insbesondere im Hinblick auf die großen Herausforderungen die uns die Sicherstellung einer adäquaten medizinischen Versorgung im ländlichen Raum in Zukunft noch gemeinsam bereiten könnte und voraussichtlich bereiten wird. Nur beispielhaft möchte ich Ihnen hierzu Stichworte wie „Landärztemangel“, „alternde Bevölkerung“, und „Mobilität“ nennen. 
 
Neben alternativmedizinischen Angeboten, einigen niedergelassenen Ärzten, Hebammen, einer Apotheke und einer orthopädischen Rehabilitationsklinik betreibt das Klinikum Fulda in Gersfeld eine moderne und wirtschaftlich wie medizinisch gut florierende Zweigstelle. Baulich an diese angeschlossen befindet sich ein Ärztehaus. Nach einer Zeit, in der es leider kein gynäkologisches Angebot in Gersfeld gab, werden in diesem zu unserer großen Freude nun wieder gynäkologische Leistungen angeboten. Der oben beschrieben halbe gynäkologische Sitz. 
 
Ich weiß, dass die Stadt und der Landkreis Fulda nach ihren Berechnungen und Statistiken frauenärztlich nicht unterversorgt sind. Zu dieser Betrachtung gehört aber auch die Tatsache, dass alle in die Region vergebenen frauenärztlichen Versorgungsaufträge, mit Ausnahme eines Sitzes in Künzell und eines halben Sitzes in Gersfeld, in der Stadt Fulda angesiedelt sind und dass der Sitz in Künzell nach meiner Kenntnis bereits durch ein in Fulda ansässiges MVZ angekauft wurde. 
 
Käme es zu einem Abzug dieses halben Sitzes aus Gersfeld, würde der schon jetzt unterversorgte Gesundheitsstandort Gersfeld, der Ostkreis Fulda und auch der angrenzende bayrische Raum in dieser Hinsicht massiv geschwächt. Patientinnen würden in ihrer medizinischen Versorgung und ihrer Lebensqualität sehr beeinträchtigt werden und müssten für eine frauenärztliche Behandlung wohl eine Reise nach Fulda in Kauf nehmen. 
 
Nun ist es so, dass eine Zugreise von Gersfeld nach Fulda nach der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn im Internet 43 Minuten beansprucht, wohingegen eine Zugfahrt von Neuhof nach Fulda in zehn Minuten zu erledigen ist. Der Online-Routenplaner „Google Maps“ errechnet für eine PKWFahrt von Neuhof nach Fulda eine Entfernung von 18,5 km und eine Fahrzeit von 20 Minuten, wohingegen für die Strecke von Gersfeld nach Fulda 26,7 km und 31 Minuten Fahrzeit angegeben werden. Mithin ist Die Stadt Fulda aus der Gemeinde Neuhof sowohl durch Individualverkehr als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln wesentlich günstiger angebunden, als es die Stadt Gersfeld (Rhön) ist.
 
Nicht nur aus diesen Gründen appelliere ich an Sie einer Verlegung des halben gynäkologischen Sitzes aus Gersfeld nach Neuhof – oder an einen anderen Ort – in keinem Fall zuzustimmen!
 
Im Gegenteil. Mit „nur“ einem halben frauenärztlichen Sitz ist die Stadt Gersfeld (Rhön) und der angrenzende ostfuldische Raum wohl kaum ausreichend versorgt, weshalb die Zuweisung weiterer Versorgungsaufträge nach Gersfeld nötig wäre. Ich rege an dies wohlwollend zu prüfen und enstprechend zu handeln.
 
Auch bitte ich Sie dringend und fordere Sie auf, sich nach ihren Möglichkeiten dafür einzusetzen die allgemein- und fachmedizinische Versorgung im ländlichen Raum weiterhin sicherzustellen, diese zu verbessern und einer Konzentrationswirkung wie der oben beschriebenen entgegenzuwirken. Von anderer Stelle wurde bereits angeregt im Landkreis Fulda einen zweiten Planungsbereich zu schaffen. Bitte prüfen Sie auch dieses mit entsprechendem Weitblick und Wohlwollen.
 
Mit einer Vergabe von Versorgungsaufträgen in den ländlichen Raum und einer damit möglichen Ansiedlung von Ärzten in diesem werden die medizinische Versorgung der dortigen Bevölkerung und damit deren Lebensqualität aufrechterhalten. Der ländliche Raum bleibt als Wohn- und Arbeitsort attraktiv, es wird unmittelbar und mittelbar Wirtschafts- und Strukturförderung betrieben und auch die Umwelt und Ressourcen werden geschont, indem Verkehre in die ohnehin schon stark verkehrsbelastenden Zentren vermieden werden.
 
Für Fragen oder Anmerkungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung und sende
 
freundliche Grüße aus Gersfeld (Rhön)
 
Dr. Steffen Korell Bürgermeister 
 
Dieses Schreiben ergeht im Interesse der Patientinnen und Familien in der Stadt Gersfeld (Rhön), im Osten des Landkreises Fulda und auch im Sinne und mit Unterstützung meiner Bürgermeisterkollegen/-in Brigitte Kram, Gemeinde Ebersburg, Thomas Schreiner, Gemeinde Ehrenberg und Manfred Helfrich, Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe).

 

 

Bidlquelle: FZ vom 17.03.2018

Gynäkologischer Sitz in Gersfeld - Offener Brief an die KV
Frauenärztliche Versorgung im Landkreis
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